Montag, 27. Oktober 2014

Was Feminismus sein muss.

Die Vertretung von feministischen Positionen in der Gesellschaft erlebt ein ständiges Auf und Ab, ist von anderen sozialen Bewegungen abhängig und äußert sich oft in Bereichen der Sexualpolitik und/oder subkulturellem Aufbegehren.
Was momentan überall gefeiert wird, sind Publikationen und Einführungen verschiedenster Art, die Menschen für Feminismus begeistern sollen. Und zumindest für mich ist Feminismus erst zu etwas positiv Belegtem geworden, als er mir erklärt wurde, als ich verstanden habe, was ich damit zu tun habe und bestimmte Gesellschaftsstrukturen anhand dessen verstehen konnte. Ich musste erst lernen, Diskriminierung und patriarchale Strukturen in Worte zu fassen, um mich klar gegen sie positionieren zu können. Feminismus wurde für mich schnell zu einer Selbstverständlichkeit, aber vor allem auch zu einer absoluten Notwendigkeit. Ja, ich finde auch, dass es gut ist, Feminismus vielen Menschen (be-)greifbar zu machen. Aber die Art, wie es passiert, ist erschreckend. Nach all den Texten, die ich zu dem Thema in den letzten Wochen und Monaten gelesen habe, all den Workshops, die ich mir als Teilnehmerin* angeschaut habe, nach all den Diskussionsrunden, Vorträgen und Randgesprächen über Feminismus bleibt für mich eine verstörende Aussage, die so wenig mit Feminismus zu tun hat, dass ich mit einem verständnislosen Kopfschütteln zurückbleibe: Feminismus muss sexy sein.

Meist bleibt es nicht bei der Aussage, Feminismus sei sexy, es wird noch weiter ausgeführt: Feminismus sei keine Abkehr von Weiblichkeit. Damit wird nicht nur ein normierter Weiblichkeitsbegriff definiert, es wird vor allem eine Definition von „Frau“ übernommen und reproduziert, die im Patriarchat geprägt wird und keinen Raum für andere Weiblichkeiten oder eben auch nicht-weibliche Identitäten lässt. Wer Feminismus für sich und vor allem für andere als „sexy“ definieren muss, schafft Ausschlüsse und ein exklusives Verständnis von feministischen Forderungen.
Das Erklären von Feminismen ist dazu verkommen, über antifeministische und (teils) misogyne Vorurteile zu sprechen. Gewissermaßen werden Menschen darauf vorbereitet, mit welchen Stereotypisierungen sie konfrontiert würde, bezeichneten sie sich als Feministinnen* und lernen, ihren Feminismus über diese Stereotype zu definieren. Dabei geht die Erkenntnis um Notwendigkeit und Selbstverständlichkeit von Feminismus neben anschaulichen bildlich geprägten Vorurteilen unter. Feministinnen trügen keinen BH, seien unrasiert, seien immer lesbisch und hassten Männer. Diese Vorurteile werden ausgesprochen, alle lachen herzlich und denken sich: Ach, aber so sind wir ja nicht [und deshalb sind wir ja auch besser]. Im Anschluss wird dann betont, dass Feministinnen* ja gar nicht so seien und dass gerade die, die eben nicht so sind, ein positives Feminismusbild vermittelten. Durch das ständige Reproduzieren von Vorurteilen, wird eine klare Abgrenzung und damit auch Herrschaft innerhalb der feministischen Kämpfe geschaffen. Die bösen Feministinnen* sind so, wir sind nicht so, wir sind besser, wir sind die guten Feministinnen*. Durch diese Spaltung passiert etwas Fatales und aus meiner Sicht absolut Antifeministisches: Lesbisch-Sein wird stigmatisiert und als etwas definiert, wovon man sich abgrenzen möchte. Körperbilder werden dermaßen reproduziert, dass Feministinnen* von anderen Feministinnen* die Selbstbestimmung über ihre Körper in Frage gestellt wird: Wer nicht dem entspricht, was als normschön anerkannt wird und die normierten Verhaltensweisen nicht für sich in Anspruch nimmt_ nehmen kann, wird zu einer Randgruppe jenseits des „Sexy-Feminismus“ marginalisiert.

Woher das kommt? Alles wird in dieser Gesellschaft, in diesem System, das an dieser Stelle wahlweise als Patriarchat oder Kapitalismus benannt werden kann, normiert, um sowohl Ein- und Zuordnung zu ermöglichen, als auch um durch Zuordnung Abgrenzung zu erzeugen. Sich einer Gruppe zuzuordnen bedeutet auch, sich von einer anderen abzugrenzen. Normierung und Normalitätskonstruktion durchziehen unser Leben. Auch Feminismen erfahren eine klare Normierung. Es wurde ein Feindbild geschafft, das derart verachtet und marginalisiert wurde_wird, dass andere Feministinnen* sich in Sicherheit wägen, indem sie sich klar davon abgrenzen. Feminismus ist eben nur okay, wenn er sich den gesellschaftlichen Normierungen fügt. Kritik kann nur so radikal geäußert werden, wie der Zusammenhalt innerhalb der feminstischen Community ist – und zumindest nach der zu Beginn dieses Textes geäußerten Einschätzung ist der Zusammenhalt momentan kein Fundament für (geschlossen geäußerte) radikale Kritik an den Verhältnissen.
Dass sich aber gerade Feminismus normieren lässt, um eine Existenzberechtigung durch Herrschende zu erhalten, sagt auf vielenkk Ebenen aus, welche Konsequenz dies hat: Dieser Feminismus ist kein Gegenentwurf zum Status Quo, dieser Feminismus verliert an Radikalität, er spaltet sich, um eine Legitimation im bestehenden System zu erhalten. Ein Feminismus im Kapitalismus spricht sich eben nicht frei von den beschriebenen Normierungen, er definiert sich über sie.

Feminismus braucht keine Stereotype, über die er sich definieren muss. Er braucht auch keine Hierarchien innerhalb, die sich über die Privilegien definieren, als deren Kritik sich Feminismus eigentlich begreift. Am wenigsten aber – und das ist die essentielle Grundannahme - braucht Feminismus meines Erachtens die Legitimation durch Menschen, die nicht von Sexismen betroffen sind, die von oben herab darüber urteilen, welche Forderungen legitim und welche zu radikal sind und die spalten, indem sie in „sexy“ und „nicht-sexy“ einteilen. Feminismus braucht keinen Zuspruch von Menschen, deren Herrschaften und Privilegien auf Unterdrückung fußen – er braucht nur den Aktionismus und die Bündnisbereitschaft jener Menschen, die marginalisiert und stigmatisiert werden, die sich Tag für Tag die Knie aufschlagen und dennoch wieder aufstehen.

Nichts muss Feminismus sein – und am wenigsten muss er sich den Verhältnissen anpassen und sie reproduzieren. Seine Aufgaben bestehen darin, Menschen die Definitionsmacht über ihre eigenen Verhältnisse zurückzugeben, Worte für Diskriminierungserfahrungen zu geben und Hierarchien_Herrschaften zu kritisieren und zu bekämpfen.  

Freitag, 12. September 2014

Separatismus als Bewegung der falsch verstandenen Freiheit

Von Philip Le Butt und Merle Stöver
Im August kamen fast 1000 Genoss*innen aus aller Welt im Rahmen des IUSY-Festivals nach Malta, um sich auszutauschen und die weltweite Zukunft der sozialistischen Bewegung zu diskutieren. Diese Zusammentreffen geben allen Teilnehmenden die Möglichkeit und den Raum, ihre Kämpfe sichtbar zu machen. Es hilft, neue Positionen kennenzulernen, zu erfahren, wie man Genoss*innen überall auf der Welt unterstützen kann und über den Tellerrand hinaus zu blicken.

Es waren auch die Vertreter*innen verschiedener seperatistischer Bewegungen vor Ort. Die Frente Polisario tritt für einen unabhängigen Staat in Westsahara ein, die sozialistische Jugend Kataloniens für ein Unabhängiges Katalonien. In erster Linie galt: Zuhören, was jene Genoss*innen zu sagen haben. Aber nach schon kurzer Zeit stand für uns fest, dass diese Kämpfe nicht unsere sein können. Es wurden Nationen angepriesen, Kämpfe für neue Nationen als sozialistisch bezeichnet und tatsächlich antinationale Haltungen wurden zur Minderheit.

Am nächsten Donnerstag entscheiden 4,2 Millionen Menschen über die Unabhängigkeit Schottlands - die Umfragen zeigen ein Kopf-an-Kopf-Rennen voraus. An dieser Entscheidung hat sich ein Phänomen erneut entzündet, dass immer wieder vorkommt. Seperatistische Bewegungen werden als progressive Kraft verstanden und ihr Kampf wird als unterstützenswert gesehen.


Aktuelle Unabhängigkeitsbewegungen: Die falsch verstandene Freiheit

Separatistische Bewegungen entstehen aus historisch gewachsenen Konflikten, die es - natürlich - ohne das Konstrukt Nation in dieser Form nie gäbe. Oft einhergehend mit von Grund auf verschieden entstandener sozialer Ungleichheit und unterschiedlichen Feind*innenbildern, fällt es schwer, Unabhängigkeitsbewegungen zu vergleichen.
Und dennoch haben die Unabhängigkeitsbewegungen in Schottland, Katalonien und der Westsahara zwei markante Gemeinsamkeiten:

Alle drei vertreten ein national-identitäres Verständnis der eigenen Politik. Die Kämpfe für neue Grenzziehungen und neue Nationen äußern sich oft mit dem Schaffen einer gemeinsamen Identität, einer Identität, die von der alten Nation abweicht. Das bedeutet: Tradition, Hymnen, Fahnen, Sprache. Um von der Notwendigkeit des neuen Staates zu überzeugen, wird eine Identität geschaffen, die sich vor allem über Abgrenzung und Abwertung des alten Staates und teilweise der dort lebenden Menschen bildet. Auf IUSY-Festivals ist National-Symbolik verboten, denn wir wollen uns in unserer sozialistischen Jugendbewegung weder über Nation definieren und identifizieren noch wollen wir andere aufgrund ihrer Herkunft stigmatisieren. Und dennoch stellten die Teilnehmer*innen der Frente Polisario jeden Tag Westsaharas Farben auf Schals und Fahnen zur Schau. Nation wird durch ihre Demonstration konstruiert und zu einem sichtbaren Anliegen, das identitätsstiftend und exklusiv ist.

Außerdem erfahren die Bewegungen in Schottland, Westsahara und Katalonien nicht unerhebliche Unterstützung aus der politischen Linken. Doch woher kommt diese Verbundenheit der Linken mit separatistischen Bewegungen? 


Das Verhältnis der politischen Linken zu Nationalbewegungen

Die politsche Linke hat sich in der Vergangenheit häufig mit nationalen Unabhängigkeitsbewegungen solidarisiert. Aus einer antiimperalistischen Weltsicht wurden diese Bewegungen als Teil der revolutionären Kräfte gesehen - unabhängig, was für Inhalte diese Bewegungen im Bereich der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik vertreten haben. Sie waren Bewegungen “gegen das System”, Bewegungen, die sich auflehnen.

In der Vergangenheit hat sich dieses in Unterstützung von Befreiungsbewegungen in den Kolonialstaaten, wie beispielsweise des Vietcong, FLN, ANC oder die MPLA, geäußert. Diese Bewegungen haben teilweise eine Geschichte krasser Menschenrechtsverletzungen, trotzdem wurde die Unterstützung im Prinzip nie reflektiert diskutiert.

Bis heute gibt es eine Tendenz sich an die Seite von Bewegungen zu stellen, die als unterdrückt wahrgenommen werden - unabhängig davon ob diese Bewegungen Frauen und LGBTIQ* diskriminieren oder Menschenleben pauschal aufs Spiel gesetzt werden.
Dieses Phänomen kann gut im Nahostkonflikt beobachtet werden, bei welchem sich viele Menschen, die sich selbst als links definieren, mit der Hamas solidarisieren, die Frauen unterdrückt und LGBTIQ*-Menschen tötet. Trotzdem wird die Hamas als eine antiimperialistische Bewegung gesehen und unterstützt, der Zionismus wird als “imperialistisch” abgelehnt - der Konflikt mündet in antisemitischer Hetze.
Und doch bleibt der antiimperialistische Diskurs einer, der Nationen bejaht, um andere Nationen zu schwächen. Er führt zu einem Mehr an Nationen und konzentriert sich doch nur auf Symptome eines falschen Systems aus konstruierten Nationen.


Ein deutscher Umgang mit Freiheit und Nation

An der aktuellen Debatte zur schottischen Unabhängigkeit lässt sich gut das deutsche Verständnis über die eigene Nation im Verhältnis zu anderen erkennen. Wie auch in anderen Fragen in der kürzeren Vergangenheit entsteht ein offen zur Schau getragener voyeuristischer Genuss am schwierigen Umgang andere Nationalstaaten mit seperatistischen Tendenzen - mit Arroganz und Geschichtsvergessenheit wird auf die Teilung anderer Staaten geschaut.

Viele Deutsche äußern sich in einer Art und Weise, die deutlich macht, dass sie sich darüber freuen, wenn sich Großbritannien auflöst. Dieses wird als gerechte Strafe für angebliche britische Überheblichkeit, das Verhalten der britischen Regierung, die britische Geschichte und das Ergebnis der letzten Wahlen gesehen. Frei nach dem Motto: “Geschieht ihnen recht!”

Diese Reflexe ähneln jenen, die geäußert wurden als Griechenland vom Höhepunkt der Wirtschaftskrise betroffen war. Das Leid der Menschen in Griechenland wurde marginalisiert und als gerechte Strafe für angebliche griechische Faulheit, der vorgeblichen Misswirtschaft der Regierung und

Es ist bemerkenswert inwiefern die meisten Deutschen sich zutrauen, ein Urteil über das Schicksal anderer Menschen zu fällen. Es darf nie vergessen werden, dass der deutsche Nationalismus in seiner Ausprägung besonders ausgrenzend auftritt.

Sicher ist die Ablehnung von Nationalstaaten zugleich auch eine sehr privilegierte Debatte, die wir aus der bequemen Situation als Deutsche heraus führen können. Wir müssen immer wieder darüber reflektieren, dass es viele Menschen gibt, die im politischen Kampf für ganz grundsätzliche Menschenrechte, wirtschaftliche Teilhabe und soziale Gerechtigkeit stehen. Für viele bedeutet dies auch den Einsatz ihrer Gesundheit, ihrer Freiheit und ihres Lebens.
Wir dürfen aber dennoch darüber nicht vergessen, dass die sozialistische Bewegung eine ist, die fortlaufend für eine neue Welt kämpfen muss - im Großen und Kleinen. Das Ziel einer sozialistischen Bewegung muss es sein, Grenzen zu überwinden und für eine neue Weltordnung der Freien und Gleichen einzustehen. Und diese, von der wir sprechen, kennt keine Nation.


Eine Welt ohne Nationen

Wir wollen eine Welt ohne Nationen. Eine, in der eine nationale Identität, eine Staatsangehörigkeit und der Ort der Geburt nichts über Menschen aussagt und sich alle Menschen frei bewegen können. Was wir brauchen, ist die Einsicht, dass Nationen konstruiert sind, dass sie irgendwann einen Zweck erfüllen sollten und keineswegs etwas Natürliches sind.

Wer sich als Separatist*in bezeichnet und für die Unabhängigkeit eines Staates einsteht, muss auch mit den Umkehrschlüssen leben, die daraus gezogen werden: Denn solange eine separatistische Bewegung für einen neuen Staat kämpft, solange begreift sie Nation als Freiheit. Eine emanzipatorische Bewegung kann keine sein, die für eine Nation kämpft. Unabhängigkeit scheint eine traditionell linke Idee zu sein, eine, die aus Unterdrückung und Ungerechtigkeit befreien soll. Und trotzdem reproduziert sie den Gedanken der Nation, eines naturalisierten Gebildes, dessen Abschaffung wenn überhaupt doch nur in weiter utopischer Ferne zu liegen scheint. Wir sehen einen Widerspruch zwischen Freiheit und Nation. Was wir brauchen ist nicht ein Mehr an Nationen, sondern die Dekonstruktion willkürlicher Grenzen, die Überwindung nationaler Identitätsbildung und den Kampf gegen strukturelle Diskriminierung aufgrund einer Staatsangehörigkeit.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Zermürbung.

Das hier wird kein großartiger Text, keine schöne Rhetorik, kein Text, den man gerne zitiert. Ich äußere mich auf diesem Weg zu den Stalking- und Diskriminierungserfahrungen, die mich dazu bringen, mich zurückzuziehen.
Natürlich nenne ich keine Namen und Zusammenhänge, dementsprechend werde ich auch nicht auf betreffende Rückfragen reagieren.

Wieder blinkt das Nachrichtenfenster auf, wieder von derselben Person. Immer das Gleiche. Wieder ein Screenshot meiner Aktivitäten der letzten Minuten. Kommentarlos, aber kommentiert werden muss das nicht. Er erreicht genau das, was er will: Ich weiß, ich werde ständig kontrolliert. Ich klicke das Nachrichtenfenster weg, schließe Facebook. Keine Minute später passiert dasselbe auf Twitter, per Mail oder wahlweise auch auf dem Blog. Wieder ein Screenshot. Ich stelle den Rechner weg, schalte mein Handy aus, will die Ruhe genießen. Im Kopf dreht sich alles, immer die gleichen Gedanken. Und ständig die Frage: Was habe ich falsch gemacht?

Das begann vor wenigen Wochen, mal passierte zwei Wochen lang nichts, dann wieder. Wenn ich die Person wieder gesehen habe, ging es am gleichen Abend noch wieder los. Das ständige Suchen nach Fehlern, die ich mache, das ständige Vermitteln des Gefühls, dass ich beobachtet werde. Die Kopfschmerzen hämmern, die Bauchschmerzen gehen fast gar nicht mehr weg.
Mittlerweile überlege ich bei allem, was ich öffentlich schreibe, ob man es gegen mich verwenden kann, ob es irgendwelche Informationen über mich enthält, die es wert sind, in Screenshots festgehalten zu werden.
Wenn in den neuen Tweets/Posts nichts zu finden ist, werden manchmal auch ältere Sachen herausgesucht. Meldungen von vor über zwei Jahren zu finden, müsste etwa zwei oder drei Stunden Aufwand bedeuten. Wenn ich so etwas in meinem Postfach finde, weiß ich, dass diese Person viel dafür gibt, mich kaputt zu machen.

Seit einigen Tagen ist es schlimmer geworden. Es ist nicht mehr nur diese eine Person, es sind mehrere. Ich blockiere eine, bekomme es von einer anderen.

Zu Beginn habe ich das als Interesse verbucht. Irgendwann wurde es aufdringlich, mittlerweile möchte ich es als Stalking bezeichnen.

Stalking engt Menschen ein, es macht ihnen Angst, es zermürbt sie. Die Gefahr für mich, kaputt zu gehen, wird immer bedrohlicher. Der Gedanke daran lässt mich nicht mehr los. Im Moment überschattet es meinen Tagesablauf. Ich müsste Hausarbeiten schreiben, kann mich nicht darauf konzentrieren. Ich gehe aus dem Haus, habe Angst, dass mich jemand beobachtet. Ich treffe Freund*innen, will nicht davon berichten, weil Aussprechen noch nicht geht.
Ich fühle mich damit alleine.

So funktioniert Zermürbung. So werden unbequeme Menschen in die Enge getrieben und kaputt gemacht. Ich bin nicht die erste, die in der feministischen Community entscheidet, ihren Twitter-Account erst einmal nicht mehr aktiv zu nutzen. Ich bin nicht die erste, die mit Frauenfeindlichkeit und Maskulismus bedrängt wird.


(Ich weiß auch, dass dieser Text wenig aussagekräftig ist und möchte ihn gerne, sobald ich die Kraft habe, erweitern.)