Bei
einem Gender-Training, das ich im Sommer geteamt habe, habe ich mal
einen Einstieg gewählt, den ich vorher noch nie ausprobiert habe und der
auch für mich als Teamerin eine ganz neue Situation geschaffen hat. Aus
dem, was wir anschließend diskutierten und austauschten, sind für mich
neue Gedanken und Ansätze entstanden. Die Schulung fand in einer
gemischtgeschlechtlichen Gruppe statt.
Ich
habe dieses Gender-Training damit begonnen, zuerst die Männer zu
befragen, wie sie sich vor Vergewaltigungen schützen. Auf die Stille,
das Nachdenken und die Verwunderung folgte dann die Antwort: “Nichts”.
Danach sprachen sie darüber, dass sie darüber noch nie nachgedacht
hätten, es aber auch nicht als Problem sähen. Vielmehr käme es in Frage,
Angst vor Raubüberfällen beispielsweise zu haben. Danach sprach ich die
Frauen mit derselben Frage an und bekam ohne zu zögern von jeder
Teilnehmerin mindestens eine Antwort: Die Sicherheitsvorkehrungen gingen
von Pfefferspray über Signalabmachungen mit Freundinnen soweit, dass
einige Teilnehmerinnen berichteten, dass sie manchmal so tun, als würden
sie telefonieren, dass sie einige Straßen meiden oder gar nicht nachts
alleine nach Hause gehen und dass sie niemals mit Unbekannten mitgehen
würden.
Dass
die Antworten so unterschiedlich ausfielen ist kein Zufall. Das hat
nichts damit zu tun, dass ich ausgerechnet besonders mutige oder
besonders fahrlässige Männer befragt habe. Das hat auch nichts damit zu
tun, dass nur ängstliche und überempfindliche Frauen am Workshop
teilgenommen haben. Ich treffe auch Schutzmaßnahmen. Weil man immer
wieder hört, was passiert, sieht, was passieren kann, erlebt, wie
unangenehm einige Situationen sind und gesagt bekommt, Du musst das, das
und das tun und lassen. Manchmal stehe ich vor dem Spiegel und überlege
tatsächlich: Ist der Rock zu kurz? Ist der Ausschnitt zu tief? Bin ich
zu doll geschminkt? Nicht, weil ich mich darin oder damit nicht wohl
fühle, sondern weil ich mich schutzlos fühle. Und dann merke ich, dass
ich selbst schon genau so denke und handle, wie es uns vorgelebt wird:
Untergebenheit, Relativierung und - am Schlimmsten - Schuldzuweisung.
Ich sehe den Fehler bei mir. Und ich weiß, dass das falsch ist. Das ist
rape culture.
In
meinem letzten Beitrag habe ich auch schon von rape culture
gesprochen. Das schien einige Menschen zu verwirren, deshalb will ich
jetzt versuchen, rape culture zu erklären.
Rape
culture heißt übersetzt “Vergewaltigungskultur”. Ich tu mich mit diesem
deutschen Begriff sehr schwer, denn er ist meiner Ansicht nach nicht so
weitumfassend wie das englische “rape”. Es beschreibt eine Kultur, in
der sexualisierte Gewalt und sexuelle Übergriffe legitimiert und
tabuisiert werden. Eine Kultur, die den Hilferuf einer Frau ins
Lächerliche zieht und die Schuld bei ihr sucht.
rape culture ist, wenn niemand eingreift, obwohl eine Notsituation besteht. Wenn
verbale und non-verbale Signale ignoriert werden und ein “Nein” als
“Ja” gedeutet wird. Wenn erwartet wird, dass eine Frau sich
gleichermaßen angezogen fühlt, nur weil es dem handelnden Mann so geht.
Im
Prozess gegen Jörg Kachelmann habe ich eine Seite der
Vergewaltigungsdebatte kennengelernt, die mich unglaublich aufregt und
für die ich keinerlei Verständnis aufbringen kann. Gabriele Piontkowsky
vom Sonderdezernat “Gewalt gegen Frauen” sagte in einer Talkshow (Anne
Will, wenn ich mich nicht irre), man müsse ja auch unterscheiden, ob es
sich um eine Vergewaltigung handle oder nur um Geschlechtsverkehr gegen
ihren Willen. Seit wann sind wir denn so weit, dass Geschlechtsverkehr
gegen den Willen einer Person keine Vergewaltigung ist? Den
Vorwurf der Vergewaltigung derart runterzuspielen oder sogar
Abstufungen zu errichten, ist respektlos, verachtend und Teil der rape
culture.
Wir
gehen außerdem oft davon aus, dass Vergewaltigungen in der dunklen
Gasse passieren und dass der Vergewaltiger ein Unbekannter ist. Man
denkt, da lauert jemand irgendwo und wartet nur darauf. So wird es immer
und immer wieder dargestellt. Dass aber über 90 Prozent der
Vergewaltigungen in den eigenen vier Wänden oder zumindest bei
Freund_innen/Bekannten passieren, das wird nicht erwähnt. Und es wird
erst recht nicht erwähnt, dass der Vergewaltiger meist ein Bekannter,
ein Freund oder sogar der Partner ist. Diese Dinge zu verschweigen und das Klischee des Fremden in der dunklen Gasse zu reproduzieren, das ist rape culture.
Wenn der Vorwurf der Vergewaltigung nicht ernst genommen wird, ist das auch Teil der rape culture, der
Kultur, in deren Norm sexualisierte Gewalt gehört. Es heißt, Frauen
übertreiben, sie sollten sich nicht so anstellen, vielleicht sei ihre
Anzeige ja nur ein Racheakt. Für eine angezeigte Vergewaltigung muss
gelten, dass sie nicht erst in Frage gestellt wird (Bsp.
Kachelmann-Prozess oder die Auslieferung von Julian Assange), sondern dass
ermittelt wird. Dass ermittelt wird, ohne die Aussage der Frau
anzuzweifeln. Damit will ich nicht in Frage stellen, dass das Urteil im
Zweifel für den Angeklagten spricht. Das ist gut und richtig so. Aber
ich möchte in Frage stellen, wie der Vorwurf der Vergewaltigung
behandelt wird.
Aus
solchen Fällen wie dem Prozess gegen Jörg Kachelmann, in dem das Urteil
von seiner Unschuld ausgeht und die Frau in den Medien als Lügnerin
dargestellt wird, resultiert, dass sich noch weniger Frauen trauen, eine
Vergewaltigung oder einen Übergriff zu thematisieren geschweigedenn
anzuzeigen. Dass
Frauen kaum Unterstützung in dieser Entscheidung bekommen, oft nicht
ernst genommen werden und ihr Hilfeschrei nicht gehört wird, zeigt, in welcher Gesellschaft wir leben. In
einer Gesellschaft, die das hinnimmt, solange es nicht die eigene
Person betrifft. In einer Gesellschaft des Akzeptierens, Hinnehmens und
Wegschauens. In einer rape culture.
Die rape culture lässt sich auch an einem anderen Beispiel erklären: Der Sexskandal des Dominique Strauss-Kahn. Sexskandal.
Was für ein Wort ist das bitte? Es beschönigt eine Vergewaltigung. Es
impliziert, dass das Schlimme nicht etwa die Vergewaltigung an sich ist,
sondern vielmehr das ruchbar werden derselben.Eine
Vergewaltigung ist ein Gewaltakt. Kein Sexskandal. Sie zu relativieren
und schönzureden, weil es in den Medien für Schlagzeilen sorgt, ist rape
culture. Wieso
wird eine Vergewaltigung so sehr relativiert, dass selbst der Begriff
“Vergewaltigung” durch etwas wie “Sexskandal” ersetzt? Wieso soll der
Gewaltaspekt tabuisiert werden?
rape culture bedeutet, dass Regeln aufgestellt werden.
Trage
keine kurzen Röcke, keine tiefen Ausschnitte, schminke dich nicht zu
doll. Beachte, dass Du abends nicht alleine rausgehst, nicht durch die
falschen Straßen läufst, dass Du keinen Augenkontakt aufnimmst. Pass
auf, mit wem Du was tust, mit wem Du schläfst, mit wie vielen Du
schläfst, wie viele das wissen. Gehe niemals mit Fremden mit, lasse dein
Getränk nicht unbeaufsichtigt, mache mit Freund_innen Signale aus,
mache einen Selbstverteidigungskurs.
Und
wenn Du diese Regeln nicht befolgst und nur für einen Augenblick nicht
daran denkst, zu gucken, wer hinter Dir läuft, wem Du deine Nummer
gegeben hast und wer weiß, wo Du wohnst, dann bist Du selbst schuld,
wenn Du vergewaltigt wirst.
rape culture bedeutet nämlich auch, Frauen die Schuld zu geben. Vielleicht, weil sie nicht die Regeln befolgt haben, die so üblich sind in dieser Vergewaltigungskultur.
Ich will diese verdammten Regeln nicht! Ich bin nicht für das Verhalten meiner Mitmenschen verantwortlich! Ich will mich nicht unterwerfen, will nicht, dass ich bei allem was ich mache, überprüfen muss, wie ich auf andere wirke!
Denn
wir leben in einer Gesellschaft, die Frauen immer und immer wieder
eintrichtert: “Pass auf, dass Du nicht vergewaltigt wirst!”, anstatt ein
einziges Mal zu sagen “Vergewaltigt nicht, verdammt noch mal!”
Hallo Merle, du bringst es auf den Punkt. Wer den Fehler in 'Es ist ja kein Wunder, dass die vergewaltigt wurde - bei den Klamotten' nicht erkennt, hat meiner Meinung nach wirklich ein Problem. Aber in jeder Berichterstattung, jeder Diskussion, die um das Thema 'Vergewaltigung' entsteht, kommt dieses Argument an irgendeiner Stelle auf. Das ist nicht nur, aber vor allem für Betroffene fatal. Jeder, der sich hier lustig macht, sollte sich das mal vor Augen halten. Danke für diesen Post. Clarissa
AntwortenLöschenhey merle, super artikel! danke dir! LG, hannah
AntwortenLöschenWas passiert, wenn ein Mann vergewaltigt wird und den Vorfall anzeigt? Was passiert, wenn ein Mann Opfer von sexuellem Missbrauch wird und Hilfe sucht? Er wird auch ausgelacht, nicht ernst genommen und abgewiesen wie eine Frau. Ich wurde sexuell missbraucht, rede also aus eigener Erfahrung. In der ganzen Schweiz gibt es zahlreiche Anlaufstellen für Frauen aber so viel ich weiss nur 1 - 2 für Männer. Als ich Hilfe suchte, um Unterstützung bettelte wurde ich von a l l e n Beratungsstellen abgewiesen. Sprüche "Männer sind Täter, wir kümmern uns um die Opfer" kriegte ich mehr als einmal zu hören.
AntwortenLöschenIch wehre mich aber dagegen als Mann als potentieller Vergewaltiger und Täter abgestempelt zu werden. Wenn eine Frau Anzeige erstattet, dann m u s s ermittelt werden. Egal ob zu Hause oder auf der Strasse, Vergewaltigung ist ein Offizialdelikt, sie darf also gar nicht in Frage gestellt werden. Bevor aber etwas stichhaltig bewiesen ist, gelten alle Beteiligten als "unschuldig".
Wo Menschen zusammen leben braucht es Regeln. Kein Mensch ist für das Verhalten des anderen verantwortlich. Aber ich kann durch mein Verhalten eine Reaktion provozieren oder in Kauf nehmen.
Wenn ich mich in einem Quartier mit muslimischer Bevölkerung ein Plakat trage, welches den Propheten Mohammed meiner Meinung "satirisch" darstellt, in den Augen von Muslimen als "gotteslästerlich" interpretiert werden kann, muss ich mich nicht wundern, wenn ich Opfer einer Grenzüberschreitung werde.
Dem letzten Satz stimme ich 100prozentig zu. Wie schrecken wir aber die TäterInnen davon ab nur an Vergewaltigung/Missbrauch zu denken? Ein Weg für mich sind eine massive Erhöhung der Strafen. Es kann nicht sein, das ein Täter zwischen 1 - 5 Jahre und nicht selten nur bedingte Gefängnisstrafen erhalten. Die Gerichte haben selten Mumm ganz klare Zeichen zu setzen und Stellung für die Opfer zu beziehen. Meistens werden da die Opfer ein 2. Mal zum Opfer (gemacht).
Ich habe einen Kommentar hinterlassen auch auf die Gefahr in die Ecke der potentiellen Täter und Vergewaltiger
gestellt zu werden. Ich nehme in Kauf, dass ich angefeindet werde, weil mein Standpunkt jemandem nicht passt. Eigentlich bin ich für das Verhalten/Reaktionen auf mein Feedback nicht verantwortlich. ich nehme es aber bewusst in Kauf.
Männer weinen ohne Tränen - die Geschichte meines Missbrauchs auf /www.missbrauchstop.ch
Sehr schöner Artikel, Merle. Aus der Erfahrung einer Diskussion möchte ich noch den Aspekt von rape culture hinzufügen, dass Vergewaltigungen lediglich auf sexuelle Attraktion zurückgeführt werden. Vergewaltigungen passieren aber nicht, weil der Täter (oder die Täterin) einfach dem Trieb unterliegt, also quasi als Bedürfnisbefriedigung, sondern es geht um Machtausübung und Unterwerfung. Leider wissen das viele Menschen tatsächlich nicht, und werden auch selten genug aufgeklärt.
AntwortenLöschenVielen Dank an Gringo für seinen auch sehr zu Herzen gehenden Kommentar! Das war mutig und eine gute Ergänzung zu Merles Beitrag.
AntwortenLöschenSehr guter Artikel Merle,
AntwortenLöschenwie recht du hast. Aber auch wenn es nur dein Einstieg in den Artikel war, so fehlt mir eine Erklärung Warum Männer keine Angst haben.
Nicht weil wir nicht Vergewaltigt werden, sondern weil es unwahrscheinlich ist. Ich hätte eher in der Disco Angst. Opfer können wir alle sein, aber wie du sagst nicht weil wir uns vergewaltigt lassen haben, sondern weil Jemand uns vergewaltigte.
Das ist im Selbstverständnis ein großer Unterschied, ein wichtiger.
Und höhere Strafen für Vergewaltiger mögen im Verhältnis zur Tat sicher angemessen sein, Sie werden aber nicht helfen eine nennenswerte Reduzierung zu bringen, denn ich vermute 90% aller Vergewaltiger und bei den Vergewaltigerinnen vermutlich mehr, werden gar nicht zur Anzeige gebracht. Aus Scham denke ich.
Wie beheben wir das Problem also?
1. Opfern den ihnen Nötigen Respekt zukommen lassen.
- Damit Mensch sich trauen kann Vergewaltigung zur Anzeige zu Bringen.
2. Präventivmaßnahmen, da VergewaltigerInnen keine "Gesunden" Menschen sind.
- Höhere Strafen werden sicher nicht abschrecken, sie können uns nur angemessene Genugtuung bieten und gegebenenfalls die Unholde durch Freiheitsentzug davon abhalten weiter anderen Schlimmes an zu tun.
Ein Problem gibt es natürlich bei Punkt 2. Wie erkennen wir diese Menschen, um Präventiv arbeiten zu können.
Danke für den Artikel
cd
Hallo,
AntwortenLöschenes gibt eine Diskussion, die ich schon mit unzähligen Frauen geführt habe:
Wenn ich erwähne, dass es mich nervt, wenn mein Partner darauf besteht mich in der Dunkelheit überall abzuholen, aus Angst davor, dass mir etwas passiert, dann verstehen das die meisten Frauen nicht. Sie sagen dann Sachen, wie "Ich wünschte mein Mann würde sich so um mich sorgen.", "Ich finde das total lieb. Das ist doch romantisch.", etc. Ich sage dann: "Er traut mir offensichtlich nicht zu auf mich selbst aufzupassen, wenn es dunkel ist.", als Antwort kommt dann meistens: "Ja, aber es kann einem als Frau so viel passieren." Dann antworte ich: "Männer sind in der Öffentlichkeit fünf mal häufiger gewalttätigen Übergriffen ausgesetzt, als Frauen. Der Statistik nach müsste ich IHN abholen." Das sei etwas anderes, finden an diesem Punkt die meisten Frauen. Weil mit "passieren" nicht die Angst vor pauschaler Gewalt in der Öffentlichkeit gemeint ist, sondern die Angst vor einer Vergewaltigung. Ich habe mich immer gefragt, warum niemand meinen Standpunkt versteht. Aber das ist wohl die rape culture, jetzt verstehe ich das.
Danke!
Ich muss Christopher-Daniel in seinem 2.Punkt widersprechen. Natürlich gibt es sogenannte "Triebtäter", bei denen eine höhere Strafe nicht viel nützen würde (nur insofern, dass sie längere Zeit keine Gefahr andere wären), da sie sich aufgrund psychischer Störungen zu ihren Taten getrieben fühlen, und über die Konsequenzen nicht viel nachdenken.
AntwortenLöschenDer Großteil der Täter_innen ist aber durchaus "gesund", es geht wie jmz bereits schrieb oft auch wenig bis gar nicht um sexuelle Triebe sondern um die Demonstration von Macht, Überlegenheit, ein Gefühl von Stärke. Um diesen Machtmissbrauch auszüben muss man nicht "krank" sein, die meisten Täter_innen wissen sehr genau, was sie tun und könnten es ebenso gut lassen. Sie entscheiden sich dazu.
Sie sind aber nicht "anders", weshalb es nicht darum geht "diese Menschen" zu erkennen. So etwas lässt sich wohl selten vorher erkennen, es sei denn jemand nutzt ständig seine Macht aus um anderen zu schaden, auch in kleineren Dingen. Genau darum geht es ja, dass eben alle Männer potentielle Täter sind. Warum man dies nicht von Frauen sagt? Weil die Machtverhältnisse in unserer Gesellschaft nunmal so verlaufen. Frauen in Machtpositionen sind natürlich auch potentielle Täterinnen. Aber es sind eben weit weniger Frauen potentielle sowie tatsächliche Täterinnen.
Und zu Gringo: Dass du als Opfer nicht als potentieller Täter gesehen werden willst, ist vollkommen verständlich. Dass es dich wütend und traurig macht, dass Männern oft gar keine Opferrolle zugestanden wird, ebenso. Ich finde das auch schlimm und denke, dass muss sich ändern.
Dass Männer auch Opfer sein können, widerspricht aber nicht dem "Grundprinzip" Männer=Täter. Natürlich können Männer auch Opfer sein, aber es sind wohl oft eher, wie in Deinem Fall auch, Jungen, da Frauen und Kinder generell als schwächer dem Mann gegenüber angesehen werden, allein schon körperlich. Und Täter_innen sind nicht nur, aber in den meisten Fällen eben Männer (oder auch ältere, größere, stärkere Jungen), sehr selten Frauen.
Es tut mir sehr Leid, was Dir passiert ist, und ich hoffe, dass Dein Mut an die Öffentlichkeit zu gehen mit Deiner Geschichte andere ermutigt, zu sich zu stehen und ihre Rolle als Opfer und daraus resultierend ihre Rechte zu beanspruchen, und dein Engagement ihnen ihre Schuldgefühle nimmt, damit sie sich damit auseinander setzen können, was ihnen angetan wurde, um dies so gut es geht verarbeiten zu können.
Vielen Dank für diesen Artikel! Er hat mir sehr zu denken gegeben, gerade auch die Kommentare darunter.
AntwortenLöschenIch denke leider auch, dass höhere Strafen nicht abschreckend wirken werden - auf der anderen Seite ist die Gesellschaft dann länger vor dem Täter geschützt. Leider werden viele Täter nach einem Gefängnisaufenthalt rückfällig oder noch gewalttätiger, weil sie im Gefängnis nichts anderes gelernt haben. Das scheint also kaum zu helfen. Ich glaube aber auch nicht, dass jeder Vergewaltiger einer Therapie gegenüber offen ist - und ohne die Einsicht, dass die Tat falsch war und den Willen, von nun an besser zu leben, hat eine Therapie keinen Sinn. Also doch so lange wie möglich wegsperren? Ich finde es ziemlich schwierig, darüber zu urteilen was richtige und falsche Behandlung von Tätern ist..
Sehr schöner Artikel. Eine ähnliche Erfahrung habe ich in Südafrika gemacht - dem Land mit den höchsten Vergewaltigungszahlen. Was Du hier schilderst, nimmt dort ein ein Höchstmaß an Realität an: In Südafrika gibt es nicht mehr Viertel für Frauen, die Tabu sind, sondern es gibt Viertel, in denen man sich zu gewissen Zeiten bewegen darf. Wenn eine Frau nach Einbruch der Dunkelheit irgendwo hingeht, ist sie selbst Schuld, wenn sie vergewaltigt wird.
AntwortenLöschenSprachlich hat sich in Südafrika das Wort "Corrective rape" entwickelt. Also die Vergewaltigung meist dunkelhäutiger und lesbischer Frauen, um sie durch den Akt der Penetration zur Heterosexualität zu bekehren. Allein das Wort "Corrective" unterstellt, dass ihr lesbisches Leben nicht korrekt ist. Und so werden auch die "Corrective rapes" gesellschaftlich in Umfragen immer wieder von vielen begrüßt oder mindestens toleriert.
Fassungslos hat mich letztlich noch eine weitere Besonderheit der südafrikanischen Vergewaltigungskultur gemacht: Kinder werden sehr oft vergewaltigt, da viele an den Mythos glauben, dass sie durch die Vergewaltigung von Jungfrauen von HIV geheilt werden könnten. Mütter verkaufen ihre Kinder und verstoßen sie anschließend als "dreckig" und "befleckt".
Ich fand es bemerkenswert, dass das Land mit der fortschrittlichsten Verfassung auf dem afrikanischen Kontinent die rückschrittlichsten Umgangsweisen mit dem Problem der Vergewaltigung aufweist.